Portugal

19.April 2010

Essência do Vinho

Von: Michael Giesen
Börsenpalast von innen

Börsenpalast von innen

50 flankierende Events lockten zudem. Kein Wunder, dass da bisweilen - vor allem am Samstagabend - ein Gedränge war, dass kaum ein Durchkommen war.
Unterstützt wird die „Essência do Vinho“ unter anderem von der Zeitschrift „Wine“, der Handelskammer von Porto und der Kommune.

 


„Turvo“ sagt der Portugiese. Übersetzt heißt das „trüb“. Und trüb ist er der Boal aus dem Jahre 1908, dazu dunkel-rost-braun. 77 Jahre hat er im Fass gelegen. Und jetzt zeigt er bei zurückgenommener Süße immernoch eine kräftige Säure. Konzentriert wirkt er. Und eine Würze! Die würde man dem alten Knaben von der Blumen-Insel Madeira, jüngst von schweren Unwettern heimgesucht, kaum noch zutrauen. Und dann diese Aroma-Noten von geröstetem Holz und – ganz typisch! - Curry-Nuancen.

 

Vor 100 Jahren trat in Portugal die Republik an die Stelle der Monarchie. Auch wenn dann für fast ein halbes Jahrhundert wieder ein autoritäres Regime angesagt war – bei der „Essência do Vinho“ hat man sich das Jubiläum durchaus auf der Zunge zergehen lassen. Im stolzen Arabischen Salon darf während dieser 7. „Essência“ ein erlesener Kreis vier 100 Jahre alte Schätzchen verkosten: Neben dem Boal ein Moscatel aus Setubal, ein Vintage vom Douro und ein Sercial, wie der Boal aus Madeira.

 

So viel ließe sich resümierend sagen: Ginge es nach dem Zustand dieser Tropfen, dürfte es einem um den Zustand der portugiesischen Republik nicht angst und bange werden, Haushaltskrise hin oder her. Denn sie zeigen sich vergleichsweise frisch.