Interview mit Dr. Paolo Endrici

von Peter Frank

Dr. Paolo Endrici

Vor gut 120 Jahren gründeten die Brüdern Francesco und Angelo Endrici (Trentiner Dialekt: Endrizzi) das Weingut und wird heute in der vierten Generation von Dr. Paolo und Christine Endrici geführt. Die drei Weingüter umfassen 16 Hektar: Masetto, das Stammhaus der Kellerei, das historische Weingut Kinderleit und Pian di Castello.

Kalkhaltige Böden der Dolomiten prägen die Landschaft und die außergewöhnlichen klimatischen Verhältnisse sind optimal für die kräftigen Rotweine und frischen Weißen. Also, beste Bedingungen für eine solide Grundlage zur Vinifizierung von Spitzenqualität. Dr. Paolo Endrici und sein Team treten für eine umweltschonende Anbauweise ein.

Ihr konsequenter Einsatz von modernsten Technologien und Innovationen in der Kellerwirtschaft sind der Grundstock für unverwechselbare Weine und Sekte mit einem hohen Qualitätsanspruch. Dr. Paolo Endrici steht mit seiner Philosophie nach wie vor zu seiner über hundertjährigen Tradition. Er will ihr auch weiterhin treu bleiben.

 

Sie als alt eingesessenes trentiner Weingut finden den Weg zu den autochthonen Reben. Welche sind das?

Nun, die wichtigste trentiner rote Rebsorte ist die Teroldego - der Name soll sich vom Tirolergold Oro del Tirolo ableiten - .Sie ist insofern wichtig, weil sie alle Eigenschaften besitzt, um beliebt zu werden. Außerdem ist der aus dieser Traube entstandene Wein, wie kein anderer in Italien, von so tiefer dunkler Farbe. Dieser kräftige, aromatische Wein gedeiht am besten in der Trentiner Region. Es ist schon interessant, dass diese autochthone Sorte selbst unter ansonsten nahezu identischen Anbaumethoden keine auch nur annäherndes Ergebnis erbracht hat.

Die Nosiolorebsorte ist die einzige weiße autochthone im Trentino. Dieser frische trockene Wein, der nach Heu und Kräutern erinnert, sollte im Sommer als junger Wein mit seiner frischen Säure getrunken werden.

Wie unterscheiden sich die autochthonen Reben von den im Trentino angebauten internationalen?

Peter Frank (li.), Dr. Endrici

Es sind einfach die Eigenschaften, die an unser Klima und unsere Landschaft erinnert. Wir wohnen in den Alpen. Vielleicht ist es die Vorstellung, dass die Alpenlandschaft mit einem Duft verbindet. Unsere autochthonen Reben sollen sich durch die Finesse und Frische von den anderen unterscheiden. So schmeckt zum Beispiel der Chardonnay, zwar keine autochthone Rebe, doch kann man auch hier sagen, dass er völlig anders Schmeckt als in Frankreich. Wo der Boden uniform ist, hat man nur eine Blume. Wir sind in der glücklichen Lage durch unser Terroir viele Blumen zu erhalten. Die Weine des Trentino sind modern und zeichnen sich durch milde Tannine und ausgeprägte Körper aus.

 

Wie sind diese ursprünglichen Reben auf die ganze Fläche verteilt?

Ich denke, dass die internationalen Reben noch überwiegen. Jedoch bin ich der Auffassung, dass bei den Rotweinen die Teroldego bereits mit 70 Prozent vertreten ist.

 

Wie sind sie mit Ihren Weinen in Deutschland aufgestellt?

Wir haben in Deutschland 120 Kunden. Bei allen ist der trentinische Wein gut eingeführt. Mit den 30 000 Flaschen sind wir sehr zufrieden, obwohl natürlich unser Bestreben nach mehr ist.

 

Wo sind Sie noch nicht vertreten?

Also im Rheinland und speziell in Düsseldorf und Köln würden wir gerne mehr Einzelhändler finden, die unsere Weine listen. Hier ist sicherlich noch viel Potenzial.

 

Wie fühlen Sie sich auf der diesjährigen ProWein?

Absolut gut! Ich glaube, und dies weiß ich seit ich diese Messe von Anfang an besuche, dass mir die ProWein wichtiger ist als die VinItaly.

Olala, das ist ja ein richtiges Kompliment für die Düsseldorfer Messe. Aber seit einem Jahr gibt es die MiWine in Mailand. Ist diese als Konkurrenz zur ProWein zu sehen?

 

Aber wirklich nicht! Die ProWein ist eine große europäische Weinmesse. Sie ist etabliert und wird es auch bleiben. Wir müssen zwar zur VinItaly, wir kommen jedoch gerne zur ProWein. Alle anderen Weinmessen sind überflüssig. Ich will mich auf den deutschen Markt konzentrieren, deshalb ist die ProWein so wichtig für mich.

 

Sie haben ein neues Weingut gekauft? Dürfen wir erfahren wo?

 

Natürlich dürfen Sie! Es ist ein Gut in der Toscana. Wir Trentiner sind so gut, dass wir expandieren können.

 

Was versprechen Sie sich davon?

 

Eine Ergänzung zu unserer Palette, aber auch zu unserem Leben. Dort haben wir einen weiten Horizont. Das macht psychologisch etwas aus.

 

Was ist Ihr Lieblingswein?

 

Wie kann es anders sein, als meine eigenen Weine. Neben der Teroldego-Traube, liebe ich auch den Chardonnay.